Offener Brief von Jelena Schemkowa, Geschäftsführerin von Memorial, an Lothar de Maiziere, Co-Vorsitzender des Lenkungsauschusses des Petersburger Dialogs

Posted Mittwoch, 21. Juli 2010 15:52 by Jens_Siegert

Herrn Lothar de Maiziere
Co-Vorsitzender des Lenkungsausschusses des Petersburger Dialogs  

Sehr geehrter Herr de Maiziere,  

in Ihrem Interview „Petersburger Dialog: ‚Nicht nur Gas und Öl'", das sie am 15. Juli dem Korrespondenten der Deutschen Welle gegeben haben (http://www.dw-world.de/dw/article/0,,5793515,00.html) erklären Sie, dass Memorial erst viele Jahre seine Beteiligung am Petersburger Dialog gefordert habe, dann aber, nachdem wir eingeladen wurden, zu wenig aktiv seien.  

Ihre Schlussfolgerung ist entspricht in beiden Teilen nicht der Wirklichkeit und zeigt lediglich ihre Uninformiertheit. Wahrscheinlich lässt sich das dadurch erklären, dass sie niemals an Sitzungen der Arbeitsgruppe „Zivilgesellschaft" teilgenommen haben und auch nicht auf einer aus einer ganzen Reihe von Konferenzen und Seminaren waren, die in den vergangenen Jahren auf Initiative und unter aktiver Teilnahme von Memorial zwischen den Jahrestagungen des Petersburger Dialogs (aber in seinem Rahmen) stattgefunden haben.  

Wir würden zumindest gern davon ausgehen, dass Ihre Worte in Bezug auf Memorial der Unkenntnis der Situation und nicht einem voreingenommenen Verhältnis zu uns entspringen.  

Sollten Sie das Bedürfnis verspüren, können Sie gern mit anderen Teilnehmern und den Leitern der Arbeitsgruppe „Zivilgesellschaft" sprechen - und so für sich ein vollständiges Bild erhalten.  

Möglicherweise halten Sie es danach für angebracht, ihre Erklärung zu korrigieren.  

Aber wichtiger ist etwas anderes. Ihre Bewertung der Aktivität dieser oder jener Teilnehmer des Petersburger Dialogs zwingt uns, die Aufmerksamkeit auf ein tiefer gehendes Problem zu lenken - der geschlossene Charakter des Petersburger Dialogs gegenüber einer breiteren Öffentlichkeit. Möglicherweise ist es an der Zeit, den Dialog offener zu gestalten? Die Sitzungen zu protokollieren, die Diskussionen im Internet zu veröffentlichen, damit die Bürger unserer Länder besser verstehen, womit sich der Petersburger Dialog beschäftigt? Damit sie selbst besser bewerten können, wie wichtig er ihnen ist und ob sie ihn brauchen? Wie aktuell die dort aufgenommenen Probleme und welchen Beitrag jeder der Teilnehmer des Dialogs leistet?  

Hochachtungsvoll  

Elena Zhemkova, Geschäftsführerin Memorial International, Teilnehmerin des Petersburger Dialogs 2008-2010